Die jüngste Stadtverordnetenversammlung hat aus Sicht der GRÜNEN Fraktion vor allem eines gezeigt. Die
Personalsituation in der Stadtverwaltung wird immer schwieriger. Zwischen Juli 2025 und Juli 2026 haben
insgesamt 97 Beschäftigte die Stadtverwaltung verlassen, darunter mehrere Führungs- und Leitungskräfte.
Unter Einbeziehung der im Haushalt 2026 neu geschaffenen Stellen waren zuletzt 37,5 Stellen unbesetzt.
Besonders betroffen sind das Sozial- und Wohnungsamt mit 60 Abgängen, darunter 54 aus den Kinderta-
gesstätten, sowie das Amt für Planung, Bau und Umwelt mit 22 Abgängen. „97 Abgänge in gut einem Jahr
sind ein deutliches Warnsignal. Seit dem Amtsantritt des jetzigen Bürgermeisters beobachten wir diese Ent-
wicklung mit wachsender Sorge. Wenn Erfahrung und Fachwissen in diesem Umfang verloren gehen, kann
der zuständige Personaldezernent die politische Verantwortung nicht von sich weisen. Wir hoffen sehr,
dass dieser Trend gestoppt wird“, erklärt Fraktionsvorsitzender Ioannis Karathanasis. Kritisch sehen die
GRÜNEN auch, dass die Stadt bislang keine regelmäßigen Befragungen zur Arbeitszufriedenheit und zum
Arbeitsklima durchführt. Gleichzeitig verweist die Verwaltung sogar selbst auf Belastungen sowie auf die
Bedeutung transparenter Kommunikation, planbarer Prozesse und verlässlicher Führung. Das Personalress-
ort liegt beim CDU-Bürgermeister Karsten Groß. „Natürlich gibt es Fachkräftemangel. Aber damit lässt sich
diese Entwicklung nicht allein erklären. Aus unserer Sicht spricht vieles dafür, dass auch die Personalfüh-
rung Teil des Problems ist. Die Bürger*innen müssen wissen, wie angespannt die Situation im Rathaus in-
zwischen ist“, so Karathanasis.
Auch bei der neuen Rathausspitze sehen die GRÜNEN eine Schieflage. Die Fraktion gratuliert Maximilian
Gegenheimer zu seiner Wahl zum Ersten Stadtrat, wünscht ihm viel Erfolg und hofft auf eine gute Zusam-
menarbeit. Zentrale Bereiche wie Finanzen, Bauen und Stadtplanung, Stadtwerke, Hauptamt, Personal und
IUK verbleiben jedoch beim CDU-Bürgermeister. „Dass sich die SPD mit diesem Zuschnitt offenbar zufrie-
dengibt, können wir nicht nachvollziehen. Entweder ist es politische Naivität, diese Machtverschiebung
nicht zu sehen, oder sie wird aus politischen Gründen beschönigt. In seiner jetzigen Ausstattung ist der
Erste Stadtrat zu schwach. Was als rot-schwarze Koalition gestartet ist, sieht bei der tatsächlichen Macht-
verteilung inzwischen ziemlich schwarz-rot aus“, erklärt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Andrea
Winkler. Die GRÜNEN hatten sich angesichts der Haushaltslage und der massiven Grundsteuer B-Erhöhung
zunächst für eine vorübergehende Aussetzung der hauptamtlichen Stelle ausgesprochen. Wenn SPD und
CDU sich anders entscheiden, müsse der Erste Stadtrat auch echte politische Verantwortung erhalten. Mit-
telfristig wünschen sich die GRÜNEN deshalb einen starken Ersten Stadtrat, beispielsweise mit Verantwor-
tung für die Kämmerei.
Positiv bewertet die Fraktion, dass SPD und CDU den GRÜNEN Antrag zur Fassadenbegrünung mitgetragen
haben. Auch bei der Klimatisierung städtischer Kindertagesstätten wurde eine GRÜNE Antragsinitiative auf-
gegriffen. Hier brachte die GroKo einen Antrag ein, dem die GRÜNEN zustimmten. Beim Hitzeschutz an Bus-
haltestellen blieb die Koalition dagegen hinter dem GRÜNEN Antrag zurück. Dieser sah vor, bei ohnehin ge-
planten Umbauten Photovoltaik, Gründächer und Regenwassernutzung verbindlich mitzudenken. SPD und
CDU machten daraus eine offenere Einzelfallprüfung mit erneuter Kostenabwägung. „Wir wollten die ohne-
hin anstehenden Umbauten nutzen, um Bushaltestellen Schritt für Schritt nachhaltiger auszustatten und
zugleich einen Beitrag zu Hitzeschutz und einem besseren Umgang mit Regenwasser zu leisten. Technische
Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit waren dabei bereits berücksichtigt. Dass daraus nun vor allem weitere
Prüfungen und Einzelentscheidungen werden sollen, ist unnötig zögerlich“, erklärt die stellvertretende
Fraktionsvorsitzende Kerstin Gerecke.
Die GRÜNE Fraktion will auch künftig konkrete soziale- und klimarelevante Impulse einbringen, die Mörfel-
den-Walldorf widerstandsfähiger und lebenswerter machen.
Artikel kommentieren